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GEDANKEN EINES VATERS UND LEHRERS                                                                               

„Alles hat seine Zeit....“ waren die ersten Worte des Schulleiters, als er zum Abiturball am 05.07.2003 seine Rede zu 
den Abiturienten sprach. Und automatisch prägten sich die Worte in mir ein, setzten Gedanken in Gang, die ich an 
diesem Abend in meiner Doppelfunktion als stolzer Vater einer erfolgreichen Abiturientin und natürlich als Lehrer einiger 
dieser jungen Menschen  einnahm. Vor einiger Zeit wurde ich schon einmal befragt, wie es mir geht, wenn wieder ein 
Jahrgang die Schule verlässt. Die Antwort darauf war philosophisch „ ich betrachte das mit einem lachenden und einem 
weinenden Auge“ hörte ich mich sagen. Aber was denkt man wirklich, wenn man da sitzt, eigens für diesen Tag heraus
geputzt, den Jugendlichen in der Aufregung in nichts nachstehend, wenn man(n) seine Hauptrolle als Vater wahrnimmt?
Da schreiten sie in den Saal, Frauen und Männer sind sie geworden, verneigen sich vor den Gästen und werden in ihrem 
dezenten Auftreten zu den Hauptfiguren des Szenariums. Stolze Elternblicke richten sich auf das eigene Kind, verstohlen
vergleicht man mit den anderen und bleibt dann  mit liebevollen Augen am eigenen Kinde haften. Blitzlichtartig laufen die 
Bilder vergangener Jahre in uns ab, Bilder, die uns den Stolz bestätigen, weil aus dem einstigen Menschlein eine Persön-
lichkeit geworden ist. Plötzlich ist ihr Eigenwille toleriert, den sie uns in ihrem pubertären „Zeitalter“ präsentierten und 
man ist darauf stolz, wie eigenwillig sie doch sein konnten. Nun stehen sie vor uns, wir als Eltern wissen, dass wir sie die 
längste Zeit behüten durften, entlassen sie ins Leben und halten ihnen aber immer den Weg zu einer kurzen Rast im 
trauten Zuhause offen. Spüre ich da eine schmerzliche Freude in mir? Ein wenig Traurigkeit fühle ich schon, dass diese 
schöne Zeit vorbei ist, in der ich der wichtigste Mann im Leben meiner Tochter war. Aber die Freude darüber, dass ich 
künftig ein Freund sein kann, ein Berater und vielleicht auch mal wieder der Papa, der ihr bei der Lösung eines Problems 
helfen darf. Werde ich es schaffen, immer zu warten, bis meine Hilfe gefragt ist? Eins werde ich wohl nicht ablegen 
können, ich werde nicht aufhören, den wachsamen Blick auf sie zu richten, wenn alles normal ist, unmerklich, wenn Ge-
fahr droht, um herbei zu springen. Wenn ich in den vergangenen Jahren Schulabgänger betrachtet habe, dann hatte ich 
auch diese Ehrfurcht vor der Entwicklung, die sie genommen haben, aber auf einmal ist das, was jahrelang nur Zukunft
 war, Gegenwart und mein Kind steht vor mir und ist eigentlich gar
kein Kind mehr. Es ist ein wunderbares Gefühl, diesen
Moment zu erleben, dass man seine Kinder genug gestärkt hat, diese Hürde zu meistern. Und unmittelbar damit haben 
auch meine „Lehrergefühle“ zu tun (auch wenn man die oftmals den Lehrern abspricht).

Ich freue mich über jeden, der es geschafft hat, ein bisschen mehr für die, denen es nicht immer leicht gefallen ist, die 
sich aber durchgekämpft haben. Ich wünsche mir, dass ich ihnen etwas mit auf den Weg geben kann, was sie auch 
später einmal an mich erinnert. Und  wenn sie dann vor uns stehen, dann denke ich „ ihr könnt stolz sein auf das, was 
ihr geschafft habt und nun macht was draus“. Was sich bei den Schülern als Hoffnung und Wunsch gestaltet, ist bei den 
eigenen Kindern schon mit Gewissheit oder
wenigstens Glauben  an sie verbunden und doch gibt es Parallelen zwischen 
den Gefühlen eines Vaters und eines Lehrers, die
geprägt sind von dem Satz „Schaut, was aus ihnen geworden ist“.
Und so hat auch der Anfangssatz der Rede des Schulleiters seinen Sinn – Die Zeit des Loslassens ist gekommen, des 
Blickes nach vorn. Für die Lehrer geht ein Jahrgang, bunt gemischt wie eine Blumenwiese, sagte der Schulleiter – Für 
die Eltern geht das eigene Pflänzchen, wohl gehegt und gepflegt, gezogen , widerstandfähig gemacht, damit nicht schon 
ein leichter Wind dieses Pflänzchen knickt.Ich wünsche den Abiturienten 2003, dass sie den Weg gehen können, dessen 
Anfang sie gerade sehen, dass er nicht zu steinig werden möge, aber auch nicht zu glatt, damit man nicht ausrutscht, 
möge er gelegentlich etwas ansteigen,  euch dann aber wieder etwas Rast bereithalten, damit ihr den nächsten Anstieg 
auch noch schafft.
Meiner Tochter  wünsche ich eben das und gebe ihr mit auf den Weg, dass sie sich  immer erinnern möge, wo ihr Start-
punkt war und wo der Grundstein der Erfolge zu suchen ist, nämlich in ihr selbst.