Krieg und Frieden                                                                                                                                                                 

Projektwoche mit dem Friedenskreis Halle e. V. 

Vom 20. 10. bis 23. 10. 2014 arbeitete die Klasse 10 G1 mit dem Friedenskreis Halle zum Thema Krieg und Frieden. 
Am Montag erfuhren wir am Beispiel des Kongo, wie Rohstoffe genauer Gold-, Kupfer-, Zinn-, und Coltanerze und 
deren Abbau unter entsetzlichen Bedingungen (völlig ungeregelt und unsicher, in Kinderarbeit) bewaffnete Konflikte 
fördern und am Leben erhalten. Coltan stand dabei im Mittelpunkte der Betrachtung, weil es für die Produktion von 
Mobiltelefonen, Laptops und Tabletts einen notwendiger Rohstoff liefert. Dieser Stoff (Tantal), der auf dem Welt-
markt mit bis zu 480 US-Dollar pro Kilo gehandelt wird, wird als Konfliktmineral eingestuft. Lokale Milizführer verdie-
nen am Coltanabbau und bezahlen so ihre Waffen und Soldaten. Auf diese Weise wird der Bürgerkrieg im Kongo fort-
gesetzt. Die Friedensfachkraft aus der Kivu-Region im Osten des Kongo, Manuel Wollschläger, die uns diese Proble-
matik näherbrachte, zeigte einen Lösungsweg auf, der mehr oder weniger erfolgreich beschritten wird. Die Minen 
werden nach einem Ampelsystem zertifiziert und die großen Konzerne wie Samsung werden nun angehalten, nur Roh-
stoffe aus „grünen“ Minen zu erwerben. Wobei „grün“ nur heißt, dass kein lokaler Milizführer mitverdient, nicht etwa, 
dass ökologisch abgebaut würde. Dies ist noch einmal ein ganz anderes Thema.

       

Dienstag war das Thema „Asyl in Deutschland“. Über die Schwierigkeiten in Deutschland Asyl zu bekommen, lernten 
wir einiges mit dem Spiel „Ene meine muh - und raus bist DU!“ Ca. 40 bis 50 Millionen Menschen sind zur Zeit auf der 
Flucht, nur ein Bruchteil dieser Menschen gelangt nach Europa und noch viel weniger nach Deutschland. 2011 wurden 
45741 Asylanträge in Deutschland gestellt, ein Drittel der Anträge wurde gar nicht geprüft, weil die Asylsuchenden 
aus „sicheren“ Drittländern kamen. 1,5% der Anträge wurden anerkannt. Am Ende des Tages besuchte uns der Asy-
lbewerber Ousmane Diallo aus Mali und berichtete über seine dreijährige Flucht aus Mali über Algerien und Marokko in 
die Enklave Ceuta und über Spanien, Frankreich, Belgien nach Deutschland, seinem Traumland. Seine Duldung läuft 
jedoch am 31. 10. aus, so dass damit zu rechnen ist, dass er abgeschoben wird.

Der Mittwoch war dem systemischen Lernspiel „Civil Powker“ vorbehalten. Es ging darum zu überlegen, wie sich Staat, 
Wirtschaft und Zivilgesellschaft in internationalen Konflikten verhalten, welche Interessen und Werte hinter dem Ve-
rhalten stehen und welche Wege für eine Deeskalation erfolgreich sind. Mit Pokerchips, die für Geld, aber auch für 
Einfluss stehen, musste gehandelt werden, um sich durchzusetzen. Am Nachmittag um 15.00 Uhr hatte sich die Zivil-
gesellschaft mit vielen guten Ideen soweit stark gemacht, dass der Konflikt entschärft wurde und man dem Frieden 
ein Stück näher gekommen war.

Am letzten Tag besuchte uns die Friedensfachkraft Patrizia Göthe, die mit den Peace Brigades International in Kolum-
bien arbeitet. Ihre Aufgabe ist es, Kolumbianer, die als Anwälte, Priester oder Gewerkschafter gefährdet sind, auf 
ihren Wegen zu begleiten. Diese Schutzbegleitung ist notwendig, weil seit mehr als 40 Jahren dort ein interner Konflikt 
zwischen Militärs, Paramilitärs, Guerilla und Drogenbaronen tobt. In diesen 40 Jahren sind über 6 Millionen Menschen 
verschwunden oder ermordet worden. Jeder, der die Menschenrechte verteidigt, wenn Arbeiterrechte eingeschränkt 
und Menschen von ihrem Boden vertrieben werden, weil z. B. europäische und us-amerikanische Konzerne Kohle ab-
bauen wollen, ist von Entführung und Ermordung bedroht. Diese Schutzbegleitung ist nur deshalb erfolgreich, weil sie 
durch ein ganzes Netz an Rückendeckung gesichert wird. Wenn Patrizia und ihre französische Kollegin beispielsweise 
den Anwalt Jorge Molina begleitet haben, waren die deutsche und französische Botschaft in Bogota, das kolumbia-
nische Verteidigungsministerium und die Regierung informiert und man hatte vorher ganz genau recherchiert, wie die 
Sicherheitslage in diesem Landesteil gerade aussieht. Auf diese Weise sind in den letzten Jahren weder die Schutz-
begleiter noch ihre Schützlinge zu Schaden gekommen.

Diese Woche war sehr interessant und lieferte einen Einblick in die komplizierte Vernetzung und Zusammenarbeit gesell-
schaftlicher Kräfte, die nötig ist, um Frieden stabiler zu machen.

Alsen-Henk