Kleider machen Leute- Leute machen Kleider --------------------------------------------
 Ist die "Kunst" des Schneiderns vom 
Aussterben bedroht? Schon immer ging 
Mann/ Frau zum  Schneider und ließ sich 
ein Kleidungsstück nach individuellen 
Wünschen, Körpermaßen und letztend- 
lich dem Inhalt seines Geldbeutels anfer-
tigen. Jedes gefertigte Stück war ein Ein-
zelteil und somit ein tolles Unikat, auf das 
sein Besitzer mit Recht stolz sein konnte. 
Durch die Konfektionierung im Jahre 
1901 durch Peek und Cloppenburg wurde 
ein einheitliches Größensystem eingeführt. 
Die Arbeit der Schneider in den Ateliers 
wurde dadurch erheblich erleichtert, verlor 
aber auch an Individualität. Ab sofort war   
es für "jedermann" möglich entsprechende
Kleidung von der "Stange" zu kaufen. 
Die alteingesessenen Schneider hatten
trotzdem ihre Daseinsberechtigung schon
auf grund dessen, dass Individualität von
 betuchten Kunden weiterhin gefordert 
war. "Ich möchte etwas besonderes. Will
mich abheben." war oft ihre Devise. Ein        
weiterer Grund ist der maßgenaue Schnitt,
den ein Schneider bieten kann. Es gibt vie-
le Abweichungen der Körpermaße von 
den genormten Maßen der Konfektion. 
Leider oft nicht möglich. Unsere Kunden 
zahlen ür Änderungen Fest- preise je nach 
Aufwand (für Standartänderungen zwischen 
6,90 Euro und 24,90 Euro). Von 1994
 (also ihrem Eintritt in die Firma) bis 2006
 
gab es lediglich 4 Preiserhöhungen. Gemes-
sen an Mehrwertsteuererhöhung, Ökosteuer-
erhöhung und jährlicher Inflation, also "ein 
Tropfen auf dem heißen Stein" wie sie sagt. In
allen Ateliers bei Peek und Cloppenburgarbei-
ten aus- schließlich ausgebildete Schnei- der 
an vielen Spezialmaschinen, damit die geforder-  
te Qualität gewährleistet werden kann. Die je- 
weilige Atelierleiterin ist für die Quantitätszahlen 
und den reibungs- losen Ablauf im Atelier ver-
antwortlich. Befragt nach speziellen Zahlen im 
Haus Halle von Peek und Cloppenburg erklärt 
sie mir: "Nicht nur Neukaufteile sondern auch 
immer mehr Eigentumsteile (Kunden kaufen 
nicht neu- lassen "Altes" neu machen) werden 
durch mein Team, welches aus insgesamt 4 
Mitarbeitern besteht, bearbeitet. Das heißt in 
Zahlen: durchschnittlich 800- 1000 Teile durch-
laufen monatlich unsere Abteilung. Dabei wer-
den Hosen am meisten geändert- dagegen 
Röcke am wenigsten. Die aufwändigsten Än-
derungen/ Reparaturen sind Neueinfütter-
ungen. Die Umsatzzahlen haben sich in den 
letzten 6 Jahren stetig ge- steigert. Das heißt 
im Jahr 2004 betrug der Änderungserlös des 
Ateliers Haus Halle ca. 64.000 Euro. Im Jahr 
2005 konnte  sich das Team auf 68000 Euro 
steigern. Dagegen mussten sie im Jahr 2006 
einen Verlust  von rund 4000 Euro in Kauf
nehmen. Das ist nicht gerade schön, bedenkt
man, dass unsere Arbeitsplätze bzw. die Stun-
denvergabe für die Bedarfsmitarbeiter stark 

 

von Stückzahlen und Änderungserlösen abhängen.“
"Und wie sind so ihre Kunden?" will ich wissen. 
Sie denkt kurz nach und sagt: "Die meisten Kun-
den sind in meinen vielen Berufsjahren bei Peek 
und Cloppenburg gleich geblieben!" Es gäbe viele 
zufriedene Leute, die mittlerweile Stammkunden 
sind, ein paar wenige misstrauische (die wir mit 
unserer guten Arbeit überzeugen!) und eher we-
nige unzufriedene. Aber da ja wie eingangs er-
wähnt bei Peek und Cloppenburg der Service an 
1.Stelle steht, besteht auch bei Änderungen gene- 
relles Reklamationsrecht, das dann meistens die 
erhitzten Gemüter beruhigt.
Was muss denn nun
ein guter Schneider alles können? "Er muss auf 
alle Fälle handwerkliches Geschick haben, viel 
Einfühlungsver- mögen besitzen, fleißig und 
schnell sein, er braucht Ausdauer und viel Über-
zeugungskraft. Jeder Mitarbeiter des Ateliers 
Haus Halle kann etwas Besonderes. Angefangen
bei der stellvertretenden Atelierleiterin Frau Bloß
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feld, die seit 6 Jahren ihrer „Chefin tatkräftig zur 
Seite steht. Egal ob bei eigenständigen Arbeiten 
wie Zubehörbestellungen, Maschinenwartungen, 
Mitarbeiterplanung oder dem nomalen Arbeitalltag, 
sie ist sich ihrer großen Verantwortung im Rahmen 
der Stellvertretung Bewusst und steht ihrem Mann/
Frau. Dann wären da noch die beiden Bedarfsmit-
arbeiterinnen Frau Hauzenberger und Frau Müller. 
Beide sind stets da, wenn sie gebraucht werden. 
Kennen sich mit allen Arbeitsabläufen genaustens 
aus und betreuen hervorragend etliche Stamm-
kunden, die nur von den beiden Frauen bedient
bzw. beraten werden wollen. Zu guter letzt ist da 
noch die Atelierleiterin. In ihrer Hand liegt nicht 
nur die Organisation des Ganzen, nein! 
Auch sie legt mit Hand an. Sie ist Vermittlerin 
zwischen Abteilung und Geschäftsführung ....
"In unserem Gespräch wird sie auf einmal nach-
denklich und sie fängt an, von ihren Berufsängs-
ten und "Nachswuchssorgen" zu berichten. "In 
den vergangenen Jahren wurden in Halle keine
Maßschneider ausgebildet- kein Bedarf! Das 
sehe ich allerdings anders! Es gibt nur noch we-
nige, die spezielle Wünsche erfüllen können weil 
sie ihr Handwerk verstehen. Aber was ist in 10 
oder 20 Jahren? Wir werden alle älter. Trotz-
dem gibt es auch dann noch Kunden mit Indivi-
dualismusträumen, mit speziellen Körpermaßen 
oder welche die einfach anders aussehen wollen 
als der Rest! Selbst die Änderungen bleiben auf 
der Stecke. Auf mich und mein Team bezogen
kann ich nur fragen: Wer soll in Zukunft Längen 
kürzen, Weiten regulieren, Perlen annähen, Reiß-
verschlüsse reparieren und damit verbunden 
Kunden bzw. Menschen glücklich machen? 
Schon Gottfied Keller schrieb: Kleider machen
Leute! Aber welche Leute sollen in Zukunft die 
Kleider machen?"

Selly Huschen

Quellen:
Buch "100 Jahre Peek und Cloppenburg KG 
Düsseldorf"
stellvertretende Atelierleiterin Peek und 
Cloppenburg Halle Birgit Bloßfeld