....... Chronik der KGS "Wilhelm von Humboldt" - Teil 1 -

Im September 2011 feiern wir den 20. Geburtstag unserer Schule. 
Wir wollen den schmalen Grat der Gegenwart verlassen und in die Vergangenheit eintauchen, das Leben und die Ereignisse in der Rück-
schau verstehen. Die grundlegende Aufgabe besteht darin, die Ereignisse der Geschichte in unserer Erinnerung zu behalten und an die 
nächsten Generationen weiterzugeben. Dazu muss zuallererst zusammengetragen werden, denn wo nichts mehr vorhanden ist, kann 
keine Rückschau frei von verklärten Blicken stattfinden.  

Zwei mal zwanzig Jahre umfasst die Geschichte unserer Schule. Von 1971 – 1991 und 1991 bis 2011. Zwei mal zwanzig Jahre in zwei 
völlig verschiedenen Gesellschaftssystemen. 

Bevor wir über die zweimal zwanzig Jahre urteilen, sollte sich jeder über das informieren, was in dieser Zeit geschah. Wir sollten uns unter-
richten, selbst zu den Quellen gehen, die Geschehnisse erfassen, aufarbeiten und ggf. interpretieren. Denn da, wo das nicht geschieht, 
werden tatsächlich stattgefundene Ereignisse ersetzt durch die Herrschaft des Gerüchts. Interessant ist nicht die subjektive Meinung, 
interessant ist der Prozess der ständigen Unterrichtung, das Vergleichen, Prüfen.....

Mit dieser Chronik wird versucht, Schule in zwei grundlegend verschiedenen Gesellschaftsordnungen zu beschreiben und geschichtliche Er-
eignisse einzuordnen. Eine Schule, die ihre Geschichte nicht kennt oder verdrängt, kann auf keinem festen Fundament aufbauen. Jeder von 
uns hat seine eigene Geschichte, auch unsere Schule hat eine Geschichte. Insgesamt sind 40 Jahre Schulgeschichte zu erfassen. 

Hervorgegangen ist die KGS „Wilhelm von Humboldt“ aus drei Schulen, der 10. POS „Hans Beimler“, 11. POS „Artur Becker“ und der 
12. POS „Wilhelm Koenen“. 
Am Beispiel der „Artur Becker“ Oberschule geht diese Chronik bis zum Gründungsjahr 1971 in das Schulsystem der 
DDR zurück. Die drei Schulgebäude ähneln sich nicht nur im Baustil, auch der Schulalltag unterschied sich kaum voneinander.

1971

Am 01.09.1971 wurde die 11. Oberschule eröffnet. Zu dieser Eröffnung erschienen zahlreiche Gäste, wie die Vertreter der Kreisleitung der 
FDJ, die Kreisleitung der SED, der Abteilung Volksbildung und Vertreter des Patenbetriebes aus Leuna. Die erster Direktorin wurde Frau Ingetrud 
Hagedorn..., die diese Funktion [..] tatkräftig, umsichtig, mit viel Schwung und Freude ausführt. 
Der Schulweg war recht beschwerlich, denn Straßen und Wege waren damals noch nicht fertig, zuerst errichtete man die Gebäude und 
später folgten Straßen und Wege. Hunderte Schüler und Schülerinnen, [..] stapften, rutschten oder balancierten, je nach Witterung und 
Verkehr, zu unserer Schule. Doch das änderte sich bald. Es wurden breite, feste Wege und ein schöner Schulhof gebaut.
(1)

Die Schule war im wahrsten Sinne des Wortes bis unter das Dach gefüllt. 1979 unterrichteten 47 Lehrer 702 Schüler.

                                    
 1971 - 11. Polytechnische Oberschule. Gebaut wurde in Plattenbauweise vom Typ Erfurt 69/Ratio

1975 Namensgebung

Im Mai 1975 erfolgte die Namensgebung der Schule, fortan wurde sie Artur-Becker-Oberschule genannt. Zahlreiche propagandistische Feier-
lichkeiten begleiteten diesen ereignisreichen Mai 1975.

Das war der 30. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, das III. Festival der Jugend der DDR und UdSSR, der internationale Kampftag der 
Arbeiterklasse.... und nun „unser Tag“; die feierliche Namensgebung für unsere 11. POS, die sich in vier jähriger Arbeit den ehrenvollen und 
verpflichtenden Namen Artur-Becker-Oberschule erwarb. Selten war ein Appell so festlich und vorbildlich; die Pioniere und FDJler, Kollegen 
und Gäste waren mit ganzem Herzen dabei, dem feierlichen Anlass angepasst [..].
(1) 

Stolz waren die Schüler auf ihre Schule. Freunde, Kampfgefährten -unter ihnen die Ehefrau unseres unvergessenen Artur Becker -verstanden 
es, so eindringlich von dessen Leben und tapferen Sterben zu sprechen, so dass in allen lebendig wurde, was als Vorbild in uns weiter leben 
soll
.(1)

Wie damals üblich, wurden die Feierlichkeiten durch einen Festappell umrahmt. Alle Schüler und Lehrer standen Spalier, die Fahne der FDJ, 
die der DDR und die „rote Fahne“ wurde an Schülern und Lehrern vorbeigetragen. Die Pioniere der Klassen 1-4 trugen die Pionierkleidung, blaue 
Käppis, weißes Pionierhemd und blaues Halstuch und die Schüler der Klassen 8 – 10 trugen das blaue 
FDJ–Hemd, das Hemd der „Freien Deutschen Jugend“.

                                   

Ab 1975 wurde in der dritten Maiwoche die Artur-Becker-Festwoche durchgeführt. In der Festschrift zum 30. Jahrestag der DDR lesen wir:

Jährlich findet in der dritten Maiwoche unsere Schulfestwoche statt. Mit einem Ehrenappell auf dem Schulhof wird sie eröffnet. Die 
Direktorin erinnert in einer Ansprache an Kampf und Leben des Vorsitzenden des KJVD, der im Freiheitskampf des spanischen Volkes am 
16. Mai 1938 ermordet wurde. Diesem Vorbild, dessen Name die Schule trägt, gilt es für die FDJler und Pioniere nachzueifern. Die Besten 
unter ihnen werden mit Urkunden und einem Wanderpokal ausgezeichnet. So erhielt zum Beispiel die AG „Geschichte der dt. Arbeiterbe-
wegung“ als Anerkennung für besonders gute Leistungen eine Kurzreise in die VR Polen zum Jugendklubhaus in Krakow.
Die Klassen 4 – 7 führen ein Pioniermanöver durch. Sie erhalten hierbei Unterstützung von Genossen der Kampfgruppe, der GST (Gesellschaft 
für Sport und Technik) und des Reservistenkollektivs und vom Parteibetrieb.
(1) 

Im Rahmen der Wehrerziehung wurden in den unteren Klassenstufen Pionierlager, Geländespiele und Pioniermanöver durchgeführt. Den Zweck 
der sozialistischen Wehrerziehung beschrieb man in der DDR offiziell als:[...] ein wichtiger (organisierter) Bestandteil der (einheitlichen) 
sozialistischen Bildung und Erziehung. Sie umfasst die Gesamtheit aller Maßnahmen zur ideologischen, charakterlichen und physischen Formung 
der Bürger unseres Staates im Hinblick auf die umfassende Verteidigung der DDR. Sie dient dem Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und 
Eigenschaften, die die Bürger befähigen, die sozialistischen Errungenschaften zu sichern und [...] umfasst neben der sozialistischen 
Bewusstseinsbildung die vormilitärische und militärische Ausbildung in speziellen Organisationen und den bewaffneten Organen. Ziel der sozia-
listischen Wehrerziehung ist es, durch Erläuterungen unserer Militärpolitik die uneingeschränkte Bereitschaft aller Bürger zur 
Verteidigung unserer sozialistischen Errungenschaften zu erreichen.
(2)

Weiter lesen wir in der Festschrift zum 30. Jahrestag des DDR: Tradition ist die Durchführung von Schülerolympiaden, zum Beispiel der 
„Schülerolympiade – Russisch“, der „Historikerolympiade“, des „Arthur – Becker – Gedächtnislaufes“. Nach anstrengenden Stunden fand 
die für die FDJler beliebte Disco statt. (1) 

1976/77

Im Schuljahr 1976/77 wurde für die Schüler der Klassenstufen 1– 7 der Pionierauftrag: „Pionierstafette – Roter Oktober“ und für die Schüler der 
Klassenstufen 8 – 10 der FDJ Auftrag: „IX. Parteitag“ ausgerufen. Die regelmäßig durchgeführten Appelle standen immer unter dem Eindruck 
verschiedener politischer Höhe-
punkte. Ein typischer Appellplan für das Jahr 1976:

Januar
- Gedenktag der Ermordung K. Liebknecht und R. Luxemburg 
März
- Jahrestag der FDJ
April
 
- 91. Geburtstag Ernst Thälmann
- 31. Jahrestag der SED
Mai   
- 32. Jahrestag der Befreiung
Juni
 
- Tag des Kindes
September 
-
  Eröffnung des Schuljahres
Oktober
-
Tag der Republik
Dezember
Pioniergeburtstag
- Eröffnung Hans Beimler Wettkämpfe (1)

Quellen:
1. 
Festschrift zum 30 Jahrestag der DDR
2. Kleines politischen Wörterbuch der DDR von 1978
 

[JV]

 Fortsetzung folgt